Wenn du permanent an dir und deinen Fähigkeiten zweifelst, könnte das Hochstapler-Syndrom der Grund dafür sein. Es ist wichtig, dass du das Hochstapler-Syndrom kennst und weißt, wie du damit umgehen kannst, falls du betroffen bist.

Als ich zum ersten Mal vom Hochstapler-Syndrom gehört habe, hat es mir total überraschend die Augen geöffnet. Ich hatte ja keine Ahnung, dass auch andere sich wie Betrüger fühlten und dass das mit einem verdrehten Selbstbild zu tun hat.

Viele Menschen fühlen sich in ihrem Job wie ein Hochstapler, die sich unter Vortäuschung falscher Tatsachen eine Position erschlichen haben, die sie gar nicht ausfüllen können.

Sie zweifeln ständig an ihren Fähigkeiten und die Angst, aufzufliegen, belastet sie. Wenn es dir so geht, solltest du unbedingt wissen, dass das Hochstapler-Syndrom der Grund für deine Selbstzweifel sein könnte.

Darum erfährst du hier das Wichtigste zum Hochstapler-Syndrom:

Wie zeigt sich das Hochstapler-Syndrom?

Was ist das Hochstapler-Syndrom?

Woran erkennt man das Hochstapler-Syndrom?

Welche Folgen hat das Hochstapler-Syndrom?

Was kann man beim Hochstapler-Syndrom tun?

Was wird dann möglich?

Hochstapler-Syndrom - man fühlt sich überschätzt

Wie zeigt sich das Hochstapler-Syndrom?

Vielleicht kennst du das von dir: Du bist neu im Job, hast dich ganz passabel eingearbeitet, kommst mit den Kolleginnen gut aus. Dass ausgerechnet du diesen Job bekommen hast, kannst du dir nicht ganz erklären. Es muss Zufall gewesen sein oder die Chefetage hat sich in dir geirrt. Womöglich sehen die Vorgesetzten mehr in dir als du tatsächlich bist.

Doch dir sitzt die Angst im Nacken, dass du auffliegen könntest. Dass deine Chefin dich mit deiner Inkompetenz konfrontiert. Dass deine Kollegen sich darüber kaputtlachen, wie unfähig du bist. Dass sie bemerken könnten, was für eine Fehlbesetzung du für diese Position bist.

In deinem Kopf spielt sich womöglich schon das Szenario ab, wie du vor versammeltem Team als Hochstaplerin enttarnt wirst. Dann wirst du auffliegen. Alles wird rauskommen. Dass du diesen Job gar nicht machen kannst, gar nicht die Kompetenzen dafür hast. Nur hat es eben noch niemand bemerkt.

Latent ist permanent diese Angst da, aufzufliegen. Ständig ist da dieses nervöse Stressgefühl, dass sie dich enttarnen. Dadurch hast du Angst, dass dir auch nur der kleinste Fehler passieren könnte. Mit dieser Angst ist kein sinnerfülltes Arbeiten und Leben möglich.

Nun solltest du wissen, dass das, was du erlebst, einen Namen hat. Und du bist nicht allein damit.

Der Grund für deine Selbstzweifel ist nicht die Fehleinschätzung deiner Vorgesetzten. Der Grund ist womöglich das Hochstapler-Syndrom, auch Hochstapler-Selbstkonzept, Impostor-Syndrom, Impostor-Phänomen.

Menschen, die vom Hochstapler-Syndrom betroffen sind, sind insgeheim überzeugt, ihre Erfolge nicht gar nicht verdient zu haben.

Menschen mit Hochstapler-Syndrom sehen ihre Erfolge nicht

Was ist das Hochstapler-Syndrom?

Eigentlich bezeichnet das Wort Hochstapler einen Betrüger. Hochstapeln bedeutet laut Duden “in betrügerischer Absicht [und mit falschem Namen] eine hohe gesellschaftliche Stellung o. Ä. vortäuschen und das Vertrauen der Getäuschten durch massive Betrügereien missbrauchen.”

Beim Hochstapler-Syndrom halten sich Betroffene für Hochstapler, obwohl sie kompetent und erfolgreich sind! 

Das Hochstapler-Syndrom ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Betroffene an ihren Fähigkeiten zweifeln. Selbst berufliche Erfolge führen sie nicht auf ihre Kompetenz und ihr Engagement zurück, sondern erklären sie sich mit Zufall, Glück oder dadurch, dass andere sie überschätzt haben.

Selbst- und Fremdwahrnehmung klaffen bei Menschen mit diesem Selbstkonzept weit auseinander. Betroffene sind überzeugt, nichts (oder nicht viel) drauf zu haben. Ihr Umfeld hingegen hält sie für fähig und erkennt auch anhand der guten Arbeitsergebnisse, dass sie fähig sind.

Menschen mit Hochstapler-Selbstkonzept führen ihr berufliches Weiterkommen nicht auf sich selbst, sondern auf Glück, Zufall oder Überschätzung durch andere zurück. Darum befürchten sie einen einmaligen Erfolg nicht wiederholen zu können. Sie meinen ja, ihn selbst nicht „gemacht“ zu haben.

Das Hochstapler-Syndrom an sich ist keine Krankheit oder psychische Störung, sondern eher ein Wesensmerkmal und eine bestimmte Art, sich selbst zu sehen. Wenn du allerdings unter den Selbstzweifeln und der vermeintlichen Hochstapelei sehr leidest und starke Symptome hast, solltest du dich an eine Psychotherapeutin wenden.

Hochstapler-Syndrom: Woran kannst du es erkennen?

Je nach Studie haben 40% bis 70% der Menschen das Hochstapler-Syndrom und glauben nicht an ihre Fähigkeiten. Das Verrückte: Die meisten haben keine Ahnung, dass sie das Impostor-Syndrom haben. 

Es gibt eine Reihe von Gedanken und Gefühlen, die mit dem Hochstapler-Selbstkonzept einhergehen.

Wenn du diesen Aussagen zustimmst, kann es sein, dass du betroffen bist.

  • Ich bin nicht gut genug für den Job.
  • Ich habe Angst, dass jemand bemerkt, dass ich das alles gar nicht kann.
  • Mein Umfeld überschätzt mich.
  • Es fällt mir schwer, um Hilfe zu bitten.
  • Ich habe keine beruflichen Erfolge. 
  • Lob kann ich schwer annehmen.

Folgen des Hochstapler-Syndroms

Das Hochstapler-Syndrom hat etliche negative Folgen:

  • Dauerstress
  • emotionale Belastung durch die Angst, aufzufliegen und die Angst vor Fehlern 
  • Überperformen durch Dauerarbeit oder Aufschieben von Aufgaben (Prokrastination) und dadurch weiterer Stress
  • viel Zeit für Arbeit und dadurch Vernachlässigung anderer Lebensbereiche (Freizeit, Gesundheit, Familie)
  • unter Umständen auch psychosomatische Beschwerden wie Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen
  • mentale Dauerbeschäftigung mit Arbeitsthemen, dadurch wenig Energie für andere Themen (wie berufliche Neuorientierung)

Diese negativen Auswirkungen machen wohl deutlich genug, dass es so nicht weitergehen kann.

Auch bei beruflicher Neuorientierung und der Suche nach mehr Sinnerfüllung in der Arbeit kann das Hochstapler-Phänomen den Betroffenen gehörig im Weg stehen. Denn, wer glaubt, nix zu können, kann sich auch schwer vorstellen, welche anderen beruflichen Wege ihm noch offen stehen. Zu den Irrtümern, die die meisten Menschen haben zu beruflicher Neuorientierung im Kopf haben, erfährst du hier mehr.

Im nächsten Abschnitt erfährst du darum, was du tun kannst. 

Hochstapler-Syndrom Folgen

Was man bei Hochstapler-Syndrom tun kann

Was kann man tun, um das Hochstapler-Syndrom zu überwinden bzw. besser damit zu leben? Vielen Betroffenen hilft es schon enorm, zu wissen, dass es das Syndrom überhaupt gibt.

Selbsterkenntnis

Der wichtigste Schritt, um besser mit dem Hochstapler-Syndrom umzugehen, ist das Wissen, dass es das gibt und dass man betroffen ist. Die Gedanken des Selbstzweifels haben nichts mit der Realität zu tun, sondern sind in diesem (verdrehten) Selbstkonzept begründet. 

Dass man betroffen ist, sollte man erst einmal “verdauen”, dann akzeptieren und einen guten Umgang damit finden. 

Fehlertoleranz

Alle machen Fehler. Auch du. Ein Fehler wird dich nicht dein Ansehen und deinen Job kosten. Ein guter Umgang mit Fehlern ist viiiel konstruktiver als angstvolle Fehlervermeidung. Fehler können neue Wege und Möglichkeiten eröffnen, Verbesserungen und Innovationen anstoßen. 

Lob & Erfolge annehmen

Finde so eine Art “objektive Anker”. Anstatt deine Erfolge und Anerkennung kleinzumachen, kannst du sie als Anker für deine Orientierung verwenden. Leg eine Erfolgsliste an und führe sie fort. Was ist die gelungen? Wie hast du das geschafft? 

Sei aufmerksam für Lob und Anerkennung durch andere. Statt “Ach, das war doch nichts Besonderes. Das kann doch jeder.” sagst du bitte: “Danke.” oder nächstes Level: “Danke. Ja, das freut mich auch.” oder übernächstes Level: “Danke. Was daran findest du denn besonders gelungen?”

Klarheit über das berufliche Profil

Verschaffe dir ganz sachlich Klarheit über dein berufliches Profil. Liste deine Abschlüsse, Kenntnisse, Stärken auf. In dieser einfachen 3-Schritte-Anleitung für berufliche Veränderung findest du Hinweise dazu.  

Hier kannst du herausfinden, ob ein berufliches Coaching dir etwas bringen kann.

Inspiration durch andere Menschen mit Hochstapler-Syndrom

Zum Glück sprechen mittlerweile mehr Menschen über das Hochstapler-Selbstkonzept und wie es sie selbst betrifft. So kannst du mehrere TED Talks zum Thema finden.

Einen besonders kurzweiligen und inspirierenden TED Talk von Mike Cannon-Brokes findest du hier. Schau ihn dir unbedingt an. Du wirst danach anders über dich denken.

 

Was wird dann möglich?

Wenn du das Hochstapler-Syndrom annimmst und bewusster damit umgehst, eröffnen sich dir neue Möglichkeiten für ein sinnerfülltes Berufsleben.

Du machst dich nicht mehr reflexartig klein. Du kannst deine Stärken und Fähigkeiten besser erkennen und auch würdigen. Dadurch gelingt es dir, dich selbstbewusster und stimmiger in deine Arbeit einzubringen, mit dem was du kannst.

Du nimmst deine Erfolge nicht mehr auf die leichte Schulter, sondern erkennst sie als solche an und verstehst, wie du sie erreicht hast. Es ist niie nur Zufall. Wenn du dir deiner Erfolge bewusst bist und sie würdigst, kannst du viel sicherer und bestimmter in Mitarbeitendengesprächen oder Vorstellungsgesprächen auftreten.

Weniger Stress und Angst vorm Scheitern führen letztlich zu einem entspannteren Arbeiten. So ist ein sinnerfülltes Berufsleben viel leichter möglich.

Was denkst du, bist du vom Hochstapler-Syndrom betroffen?

Jetzt, wo du das Hochstapler-Syndrom kennst, was kannst du dann anders oder neu betrachten?

Was kostet berufliche Neuorientierung?

Was kostet berufliche Neuorientierung?

Bei beruflicher Neuorientierung musst du finanzielle Kosten, “mentale” und zeitliche Kosten einplanen. Hier beschreibe ich, was genau damit gemeint ist und was du beachten musst. “Ich will aber nicht nochmal studieren.” sagt die Interessentin im Telefonat. Sie ist...

mehr lesen