Drei Anzeichen, dass du nicht dein eigenes Leben lebst

Das klingt wie ein Widerspruch: Nicht das eigene Leben leben. Man kann doch nur das eigene Leben leben, oder? Trotzdem schaffen es viele Menschen Tag für Tag den Schein eines Lebens aufrecht zu erhalten. Das Fatale daran ist, dass man sich so sehr daran gewöhnen kann, dass man selbst glaubt, dieses Leben so zu wollen. Ich spreche da aus Erfahrung.

Nicht das eigene Leben zu leben, sondern nur den Vorstellungen anderer zu entsprechen, erzeugt ein schales Gefühl. Es ist wie ein ausgelassener Abend beim Italiener mit viel Knoblauch und Rotwein und am nächsten Morgen ohne Zähneputzen und Blick in den Spiegel zum Business-Meeting.

Damit wir uns richtig verstehen: Mir geht es hier nicht um Selbstoptimierung auf Teufel komm raus oder den Zwang zum „perfekten Leben“.

Mir geht es darum, ein freieres, selbstbestimmteres Leben zu führen.

Das ist kein Zustand, der per Fingerschnippsen oder über eine magische Formel hergestellt wird.

Es ist ein Prozess, eine Entwicklung, die dich selbst in den Mittelpunkt stellt. Es bedeutet Fragen zu stellen, an dich und an dein Leben und es bedeutet, scheinbar allgemeingültige Regeln auch mal in Frage zu stellen. Und vielleicht auch: neue Regeln zu erfinden.

Wir lullen uns aber immer wieder ein. Mit der Geschichte, die wir uns über unser eigenes Leben erzählen. Vielleicht ist das sogar die Geschichte, die schon unsere Eltern über ihr Leben oder das Leben an sich erzählt haben.

Auf diese Weise benebeln wir uns und können die Anzeichen weiter ignorieren. Es gibt nämlich durchaus Hinweise, an denen wir erkennen können, dass wir noch nicht den eigenen Weg gehen.

An welchen Anzeichen kannst du bemerken, dass du dein Leben noch nicht nach deinen Vorstellungen lebst?

1. Du bist erschöpft, ausgelaugt, energielos.

Es kostet Kraft die Vorstellungen anderer in die Tat umzusetzen. Deine inneren Batterien haben wenig Möglichkeiten, um wieder aufzutanken.

Menschen, die ihren eigenen Weg gehen, haben Zugang zu ihren Ressourcen, zu ihren Kraftquellen gefunden. Daraus schöpfen sie. Auch wenn es mal stürmisch wird. Solche Menschen wissen warum sie diesen eigenen Weg gehen und dass niemand sie hier überholen kann.

Frag dich: Wie voll sind meine Batterien?

2. Manchmal ist da so eine Sehnsucht, ein Ziehen im Herzen.

Du spürst, dass da noch etwas in dir ist, das du gern entfalten würdest, etwas, das du tun möchtest, etwas, das dich innerlich reicher machen würde.

Menschen, die ihren eigenen Weg gehen, nehmen diese Sehnsucht wahr. Sie würdigen und reflektieren sie. Sie trauen sich in kleinen Schritten probeweise die Sehnsucht auszuprobieren.

Statt angstvoll im gewohnten Elend zu verharren geben sie ihrer Sehnsucht eine Chance. Statt kopflos den Job zu kündigen um Vollzeitautorin zu werden, tasten sie sich mit geringem Risiko an ihre Wünsche heran, bspw. durch regelmäßiges Schreiben, eine Lesung geben, Texte online veröffentlichen.

Frag dich: Welcher Sehnsucht würde ich gerne folgen, traue mich aber nicht?

3. Du verstellst dich. Du fühlst dich falsch da wo du bist.

Du zeigst dich nicht so wie du bist aus Angst vor Ablehnung oder Missbilligung. Du glaubst, dass du für diesen oder jenen Lebensbereich eine Maske tragen musst. Im Job kannst du dich nicht so geben wie du bist, weil „das da nicht geht“.

Natürlich erfordert gemeinsames Arbeiten auch Kompromisse und nicht jedes Verhalten ist im Job angemessen. Nichtsdestotrotz gibt es Möglichkeiten auch im Job professionell und authentisch zu sein.

Frag dich: Wenn ich mich mit den Augen meiner Kollegin (meines Chefs) sehen würde, würde ich mich erkennen?

So wie Zähneputzen zur täglichen Routine gehört – unabhängig davon ob du eine Knoblauchorgie gefeiert hast oder nicht – solltest du dir regelmäßig die obigen Fragen stellen. Wenn du alle Antworten zusammennimmst, hast du den Eindruck, deinen eigenen Weg zu gehen?

 

Maria Ehrenberg berät als Expertin für Karrierefragen Sinnsucher, Tieftaucher und Querdenker wie sie ein erfüllendes Berufsleben führen können. Dabei ist ihr wichtig, dass ihre Kunden nicht nur Luftschlösser bauen, sondern ihre Pläne freudvoll umsetzen.